Ich entstamme einer Familie in der es selbstverständlich war, am Heilig Abend, Silvester und Dreikönigsabend mit der Räucherpfanne durch Haus, Hof und Stallungen zu gehen und mit dem Rauch des geweihten Weihrauchs und Weihwasser unser Vieh zu segnen und um Schutz und Segen für uns alle zu bitten. Als Kind fand ich es speziell an Heilig Abend besonders mühsam, da dieses Ritual und der anschließende Rosenkranz das Warten auf des Christkind schier unerträglich machten. Außerdem erschließt sich einem der Sinn dieses plötzlich eher seltsamen Verhaltens der Erwachsenen wahrscheinlich nicht so wirklich - aber das Alles gehörte zu Weihnachten einfach dazu und ich möchte die Zeit nicht missen.
Irgendwie begleitete mich dieses Brauchtum mein Leben lang. Mein Mann und ich versuchten dieses "seltsame" Verhalten auch an unsere Kinder weiterzugeben - und ihnen ging es wahrscheinlich nicht anders als mir in meiner Kindheit :)... Als Erwachsene dachte ich im Großen und Ganzen die tieferen Bedeutung dieses Tuns verstanden zu haben und glaubte ich wüßte eigentlich über die Rauhnächte ganz gut Bescheid - aber weit gefehlt.
Durch Zufall purzelte ich in einen Vortrag von Renate Kauderer und mir wurde bewusst, wie wenig ich eigentlich darüber wusste und wie weit und mystisch diese "Zeit zwischen den Zeiten" - also zwischen Heilig Abend und Dreikönigs Abend - war. Ich fand diese Verbundenheit welche unsere Vorfahren zu ihren Göttern und Naturgewalten hatten faszinierend und ich finde es sehr schade, dass dieses Wissen, bedingt durch unsere schnelllebige Zeit, immer mehr in Vergessenheit gerät. Wenn auch du mehr über diese Zeit wissen magst, kann ich dir unter anderem das
Buch von Renate Kauderer
MYSTISCHE RAUHNÄCHTE - verbunden mit unseren Wurzeln
sehr empfehlen.
Unsere keltischen und germanischen Vorfahren ehrten diese geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren, in der die Tore zwischen den Welten sich öffneten und das Jahresrad stillstand. Auch kein anderes Rad, wie etwa das Spinnrad durfte sich drehen. Es durfte auch nicht gewebt, gewaschen und geputzt werden. Das Raunen der Ahnen und wohlmeinenden Geistwesen war in dieser Zeit hörbar. Unsere Vorfahren stellten sich in diesen Nächten ihren Ängsten und Schatten. Durch verschiedenste Rituale verbanden sie sich mit ihren Geistern und baten sie um Güte für das kommende Jahr.
Traditionsgemäß beginnen die 12 Rauhnächte mit dem 25. Dezember und enden mit
dem 6. Januar, wobei jede Rauhnacht in symbolischer Verbindung mit den 12 Monaten des kommenden Jahres steht. Beobachtet man die Qualität dieser zwölft Tage bewußt, könnte man so Rückschlüsse über jedes kommende Monat des zukünftigen Jahres ziehen. Dazu kann es spannend sein, sich jeden einzelnen der 12 Tage eine kurze Notiz zu machen und festzuhalten, wie wir diesen Tag empfunden haben und dann bewußt zu vergleichen, wie wir den jeweils in Verbindung stehenden Monat des kommenden Jahres als Ganzes wahrgenommen haben.
Im Trubel unserer Zeit, ist es schier unmöglich, sich dieser Zeit so intensiv bewußt zu werden. Auch mir gelingt dies nicht wirklich. Aber ich finde es dennoch spannend zu Wissen, dass diese Tage und Nächte eine ganz besondere Qualität haben. So nutzt man vielleicht doch die eine oder andere stille Minute um inne zu halten und dem leisen und stillen Treiben welches im Verborgenen herrscht zu lauschen und Danke zu sagen für all das Gute was wir im vergangen Jahr erfahren durften. Aber auch um darum zu bitten, dass all jenes was uns Angst und Sorgen bereitet hat, im neuem Jahr seinen Schrecken verliert.
Im Anschluss nun einen kleinen Überlick über das jeweilige Thema der Tage und des passenden Räucherwerks, welches diese Tage begleiten könnte. Vielleicht gelingt es uns ja, an den ein oder anderen Tagen im Hintergrund das jeweilige Räucherwerk zu verräuchern oder kurz innezuhalten und sich der Zeit bewußt zu werden.
Die 12 Rauhnächte - nach dem Buch von Renate Kauderer:
25. Dezember 1. Rauhnacht
Thema: Das Licht in meinem Leben
symbolisch für den Jänner
Räucherwerk: Weihrauch
26. Dezember 2. Rauhnacht
Thema: Verbindung mit der inneren Stimme
symbolisch für den Februar
Räucherwerkt: z.B. Angelika, Beifuß, Dammar, Kalmus, Mastix, Melisse, Propolis, Salbei, Weihrauch
27. Dezember 3. Rauhnacht
Thema: Zyklen und Wandel
symbolisch für den März
Räucherwerk: Holunderholz
28. Dezember 4. Rauhnacht
Thema: Tag der unschuldigen Kinder/Fruchtbarkeit/Kreativität
symbolisch für den April
Räucherwerk: Goldcopal
29. Dezember 5. Rauhnacht
Thema: Die Fäden des Schicksals weben
symbolisch für den Mai
Räucherwerk: Mistelkraut
30. Dezember 6. Rauhnacht
Thema: Versöhnung/Die Geister des alten Jahres einladen
symbolisch für den Juni
Räucherwerk: Weidenrinde
31. Dezember 7. Rauhnacht
Thema: Das Jahr klingt aus/Reinigung und Schutz
symbolisch für den Juli
Räucherwerk: Beifuß, Immergrün, Königskerze, Mistel, Wacholder, Weihrauch
1. Jänner 8. Rauhnacht
Thema: Das neue Jahr beginnt/Schwung und Lebensfreude einladen
symbolisch für den August
Räucherwerk: Alant, Angelika, Königskerze, Lavendel, Lemongras, Rosenblüten, Rosmarien, Sandarak, Weihrauch
2. Jänner 9. Rauhnacht
Thema: Das wesentliche erkennen
symbolisch für den September
Räucherwerk: Dammar
3. Jänner 10. Rauhnacht
Thema: Kraft für den neuen Zyklus aufbauen
symbolisch für den Oktober
Räucherwerk: Angelika, Dost, Kiefernharz, Königskerze, Lavendel, Lemongras, Meisterwurz, Quendel, Weihrauch
4. Jänner 11. Rauhnacht
Thema: Aus Wünschen werden Vorhaben
symbolisch für den November
Räucherwerk: Eisenkraut, Goldcopal, Zedernspitzen
5. Jänner 12. Rauhnacht
Thema: Die Rauhnächte abschließen
symbolisch für den Dezember
Räucherwerk: Alant, Beifuß, Holunderblüten und -holz, Lavendel, Mistel, Myrrhe, Tannenharz, Wacholder, Weihrauch
Dies sind die 12 Rauhnächte. Über das Jahr verteilt, gibt es jedoch noch weitere 8 mystische Nächte, welche energetische Wendepunkte im Jahr markieren, aber immer mehr in Vergessenheit geraten.
Diese sind:
2. Februar - Lichtmess
21. März - Frühlins Tagundnachtgleiche
1. Mai - Walpurgisnacht
21. Juni - Sommersonnenwende
1. August - Schnittfest
21. September - Herbst Tagundnachtgleiche
1. November - Allerheiligen
21. Dezember - Wintersonnenwende (Thomasnacht)
Weitere Buchempfehlung zum Thema:
Handbuch der heimischen Räucherpflanzen von Renate Kauderer
Rauhnächte - Das Mysterium der zwölf Schicksalstage von Gerhard Merz
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